Straffung!
Straffung, ein Trainingsziel, das oft genannt wird. Speziell
die Frauen wollen straffere Arme und Beine, einen straffen Po oder straffere
Haut. Was die Frauen aber auf keinen Fall wollen, sind grosse, sichtbare
Muskeln. Geht das? Kann ich meine Muskeln straffen, ohne dass sie grösser
werden? Ja das geht! Und wie das geht können wir verstehen, wenn wir uns etwas
genauer schauen wie die Muskeln arbeiten.
Was ist das einzige was ein Muskel kann? Richtig, er kann
sich selber nur zusammenziehen. Für die Streckung brauchen wir dann einen
anderen Muskel, einen so genannten Antagonisten. Was zieht sich denn beim
Muskel zusammen? Natürlich die Muskelfasern. Und diese Fasern wollen wir etwas
näher betrachten:
Zuerst nehmen wir
einen Muskel. In diesem Muskel haben wir verschiedene Faserbündel. So ein
Faserbündel besteht aus diversen Muskelfasern. Diese wiederum enthalten die so
genannten Muskelfibrillen. Wenn wir trainieren, d.h. wir heben ein Gewicht müssen sich
diese Fibrillen und damit die Muskelfasern zusammenziehen. Der Muskel ist aber
eher faul, das heisst es ziehen sich nur immer so viele Fasern zusammen wie
unbedingt notwendig.
Nehmen wir z.B. ein sehr kleines Gewicht, sagen wir ein
halbes Kilo. Wie viele Fasern wird der Muskel einsetzen um dieses kleine
Gewicht zu heben? Richtig nur ein paar
wenige. Wenn wir nun dieses Gewicht ununterbrochen bewegen, was auch
möglich ist bei einem halben Kilo, werden einige Fasern ermüden und nicht mehr
eingesetzt. Dafür kommen andere hinzu und übernehmen deren Arbeit für eine
bestimmte Zeit (Je nach Leistungsfähigkeit). Diese ermüden auch wieder und so
geht es immer weiter.
Nehmen wir jetzt ein etwas grösseres Gewicht, z.B. fünf Kilo.
Diese fünf Kilo stellen für den Muskel
eine grössere Belastung dar. Also wird er auch mehr Fasern gleich-zeitig einsetzen. Auch diese Fasern werden nach
einer bestimmten Zeit ermüden. Je nach Grösse und Leistungsfähigkeit des
arbeitenden Muskels wird dann jede Wiederholung immer mühsamer, bis keine WH
mehr möglich ist.
Nehmen wir jetzt ein richtig grosses Gewicht (im Verhältnis
zur jeweiligen Leistungsfähigkeit und zum Muskel). Ist das zu hebende Gewicht
richtig hoch, wird der Muskel natürlich noch mehr Fasern einsetzten. Im
Idealfall wären das alle Fasern. Dies ist jedoch fast unmöglich, da der Körper
immer eine gewisse Sicherheitstoleranz offen lässt. (Nur in einer Notsituation,
z.B. unter Todesangst könnte dies der Fall sein). Ein gut trainierter Sportler kann jedoch bis zu 90 Prozent
seiner Muskelfasern gleichzeitig einsetzten. Das heisst, seine Muskelfasern
haben (durch das Training) gelernt, effizient zusammenzuarbeiten. Das ist die
so genannte „intramuskuläre
Koordination“.
Wie fühlt sich das dann an, wenn so ein gut trainierter
Sportler seine Muskeln anspannt? Sehr, sehr hart, knochenhart. Und wie fühlt
sich dies an, wenn ein Untrainierte(r) seine/ ihre Muskeln anspannt? Vielleicht
auch hart wie ein Knochen, aber was man fier fühlt ist tatsächlich der Knochen.
Jemand der kein Krafttraining macht, kann nämlich nur zwischen 40 bis 50
Prozent seiner Muskelfasern gleichzeitig anspannen. Die Restlichen hängen
schlaff und unbeteiligt in der Gegend rum!
Aber diese Fasern kann man aktivieren und dadurch den Muskel
straffen. Natürlich durch Training. Ein Training mit was für Gewichten? Genau
durch relativ hohe Gewichte. Gewichte und Übungen mit denen man höchstens zwei bis sechs
Wiederholungen absolvieren kann. Und diese Wiederholungen müssen
hart, intensiv und sehr anstrengend sein, sonst passiert nichts.
Ob ihr euch bei einem solchen Training richtig angestrengt
habt, merkt ihr, wenn ihr eine längere Pause braucht um euch zu erholen. D.h.
den nächsten Satz der gleichen Übung könnt ihr erst nach ca. drei bis fünf
Minuten in Angriff nehmen. Falls ihr nach ½- bis 1½ Minuten schon wieder einen
Satz ausführen könnt, trainiert ihr nicht auf Straffung sondern auf Muskelaufbau!
Dieses Training mit hohen Gewichten das so genannte IK- Training (= Intra-muskuläres
Koordinationstraining) hat noch einen weiteren Vorteil. Es trainiert gleichzeitig
die Kraft. Was schreibe ich hier gleichzeitig? Es trainiert in erster Linie die Kraft. Denn den
Ausdruck „Straffung“ gibt es in der Sportwissenschaft gar nicht. Der wurde von
der Fitnessindustrie erfunden (speziell für die Damenwelt). Aber was kräftigt, das strafft auch
und so sind alle zufrieden!
Auch beim IK-Training gelten natürlich die Grundlagen und
Regeln des Trainings. Speziell „steigend Belastung“ und „Superkompensation“.
Zudem ist es wichtig, dass man die Belastungsbereiche von Zeit zu Zeit wechselt.
Auch dann, wenn Straffung das Haupt-Trainingsziel ist.
Zu beachten ist beim IK-Training auch, dass man Übungen
auswählt, bei denen mehrere Muskeln beteiligt sind und nicht isolierte,
eingelenkige Bewegungen. Also besser Bankdrücken als Butterfly, oder besser
Beinpresse als den Beinstrecker, usw. Bei den Rumpfübungen ist dieses Training auch weniger zu
empfehlen, ausser ihr macht „Kreuzheben“, was eine sehr gute Übung für den
Rumpf darstellt.
In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spass und Erfolg beim
Training
Stephan
Hodel
(James)
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