Ist Ausdauertraining
gesund?
Neben Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit und
koordinativen Fähigkeiten gehört auch die Ausdauer zu einer umfassenden,
körperlichen Fitness. Ausdauer beschreibt dabei die motorische Fähigkeit, eine
bestimmte Leistung über einen längeren Zeitraum durchzuhalten, ohne vorzeitig
zu ermüden und sich so schnell als möglich wieder zu regenerieren. Indem man
die Ausdauer regelmässig trainiert, sollte die Intensität (z.B. die
Geschwindigkeit beim Laufen) allmählich erhöht werden können.
Da stellt sich die Frage: Wie macht man das? Wie
trainiere ich richtig, in welchen Pulsbereichen und ohne dass ich mich
gesundheitlich belaste?
Betrachten wir zuerst einmal, welchen Zweck und Nutzen
die Ausdauerfähigkeit beim Menschen erfüllt. Dafür gehen wir ca. 10‘000 Jahre
zurück, zurück in die Steinzeit. Unsere heutige Genetik entspricht bekanntlich
zum grössten Teil immer noch der des Steinzeitmenschen. Dieser nutzte seine
Ausdauer in erster Linie zum Zurücklegen von grossen Distanzen zu Fuss. Er
gelangte so von einem Lagerplatz zum Nächsten, besuchte andere Stämme und vor
allem erreichte er möglichst ergiebige Jagdgebiete. Dabei legte er pro Tag
problemlos 30 und mehr Kilometer zurück. Dies in einem Tempo, welches zügigem
Marschieren mit einem Tempo von ca. 7 bis 8 Km/Std entspricht. Einige
Naturvölker praktizierten dabei (oder praktizieren immer noch) einen eigenen, ermüdungsfreien
Laufstil, um weite Strecken zurückzulegen. Bei diesen Gangarten blieb der Puls
auf einem tiefen Niveau von vielleicht 80 bis 110 Schlägen pro Minute. Unbewusst
erreichten diese Menschen damit eine ausgezeichnete Grundlagenausdauer,
natürlich ohne zu wissen was das ist!
Ein höheres Tempo wurde dann auf der Jagd benötigt,
etwa um ein Tier über lange Strecken bis zur Erschöpfung zu verfolgen, so dass
es am Schluss ein Leichtes war, es zu erlegen. Nicht umsonst wird dem Menschen
nachgesagt, dass er über eine der besten Ausdauerfähigkeit unter den Lebewesen
verfügt. Bei dieser Taktik dürften Geschwindigkeiten zwischen 10 und 20 Km/Std
erreicht worden sein, mit einer Pulsfrequenz zwischen ca. 120 bis 150 Schlägen
pro Minute.
Ganz hohe Tempi wurden nur bei einem schnellen
Jagdangriff auf kurze Distanz gebraucht, oder aber in Notsituationen, z.B. auf
der Flucht vor einem gefährlichen Tier auf den nächsten Baum. Die Höhe des
Pulses hat in dieser Situation keinen interessiert, nur noch das Überleben!
Kommen wir von der Steinzeit zurück in unsere moderne
und sogenannte zivilisierte Welt. Das tägliche Marschieren über grosse Strecken
findet praktisch überhaupt nicht mehr statt. Zu Fuss bewegen wir uns nur noch
über sehr kurze Distanzen, durchschnittlich etwa 400 bis 800 Meter pro Tag! Somit
fehlt den meisten Menschen eine solide Grundlagenausdauer und
Erholungsfähigkeit.
Was hingegen sehr oft beobachtet werden kann, sind
Personen, die sich im nächsten Bereich, nennen wir ihn mal den Jagdbereich,
bewegen. Sei es beim Joggen, Fahrrad fahren, Groupfitness (z.B. Zumba) oder
anderen Sportarten. In ihrer Freizeit trainieren viele Hobbysportler fast
ausschliesslich mit zu hohem Puls. Da dabei die Grundlagen fehlen, werden sehr
schnell hohe Laktatwerte erzielt, welche sich wiederum ungünstig auf unser
Wohlbefinden auswirken können.
Wechseln wir noch zur letzten Situation, dem „Fluchtbereich“.
Schlecht trainierte Leute, die sich zur Steigerung des Selbstbewusstseins einem
Wettkampf stellen. Übergewichtige, die sich in irgendeiner hippen Abnehmshow
fast zu Tode hetzen lassen. HIIT (Hochintensives Intervalltraining), welches
momentan in aller Munde ist und für den schnellen Erfolg praktiziert wird. Dies
alles findet regelmässig in einem Pulsbereich statt, der eigentlich für
Überlebens- und Notsituationen gedacht ist. Was da an Hormonen ausgeschüttet
wird! Und dann noch verstärkt durch den allgegenwärtigen Stress. Dass dabei die
Gesundheit auf der Strecke bleibt, dürfte den meisten klar sein. Von massiver Schwächung des Immunsystems, über
negativer Beeinflussung des Hormonsystems, Langzeit-Übersäuerung,
Schlafstörungen, Verkürzung der Lebenserwartung, bis zu massivem Übertraining
und wahrscheinlich noch einiges mehr.
Dabei sollte doch die Ausdauer in erster Linie
trainiert werden um gesund zu bleiben, sich wohl zu fühlen und eventuell noch
als Unterstützung bei der Fettverbrennung der Figur zuliebe. Dies trifft
zumindest für den grössten Teil der Bevölkerung zu. Nur einige Wenige, die sich
von leistungsorientierten Gedanken leiten lassen, brauchen die oberen Grenzbereiche
für ihr Training.
Für das gesundheitsorientierte Training benötigen wir
nur die drei Grundbereiche:
Regeneration bei 50 - 60% der maximalen Herzfrequenz (max.
HF):
Mit einem regenerativen
Training kann die Erholung beschleunigt werden. Es eignet sich auch bei hohen
Stressbelastungen im Alltag. Zudem findet hier bereits eine gewisse
Fettverbrennung statt. Die Intensität ist sehr locker und die Dauer beträgt
eine bis mehrere Stunden.
Grundlagenausdauer 1 (GA1) bei 60 - 70% der max. HF:
Das GA1 Training ist in den
meisten Ausdauersportarten der Haupttrainingsbereich. Bis zu 80 Prozent des
gesamten Trainingsumfanges sollte in diesem Bereich stattfinden. Die Intensität
ist locker bis mittel und die Dauer beträgt 45 Minuten bis mehrere Stunden.
Ausser dem Training der Grundlagenausdauer, wird hier optimal Fett verbrannt.
Grundlagenausdauer 2 (GA2) bei 70 - 80 % der max. HF:
Das GA2 Training ist
hervorragend geeignet um im Körper abwechslungsreiche Intensitäten und somit
neue Trainingsreize hervorzurufen. Das Training kann nach Lust und Laune
gestaltet werden. Die Intensität ist mittel bis hoch und die Dauer beträgt 20
bis 60 Minuten. Leistungsorientierte trainieren in diesem Bereich bis zu
mehrere Stunden. In diesem Bereich findet keine direkte Fettverbrennung mehr
statt. Die gesamte Leistung wird über den Kohlenhydratstoffwechsel bezogen.
Die erwähnte, persönliche max. HF und damit die
Pulswerte dieser Bereiche sollten natürlich bekannt sein. Eine einfache Formel
dafür lautet: Max. HF = 220 minus
Lebensalter. Diese Berechnung ist jedoch sehr ungenau und trifft nur auf
ca. 50% aller Personen zu. Genauer und kostengünstig ist da der Own Zone Test bei einigen
Polar-Pulsuhren. Zudem kann dieser Test vor jedem Training absolviert werden,
entsprechend der Tagesform.
Alternativ gibt es noch die Laktatmessung oder die
Spirometrie, beide mittels Stufentest gemessen. Diese Verfahren sind zwar genau
aber auch umfangreich und sehr kostenintensiv und sind deshalb für den Hobby-
oder Gesundheitssportler nicht praktikabel.
Trainingsprinzipien anwenden
Bekannterweise sollte das Training immer unter
Beachtung der Trainingsgrundlagen stattfinden. Das gilt nicht nur für das
Kraft-, sondern auch für das Ausdauertraining. Nur Gewichte heben und sich
bewegen allein, bringt noch lange keinen Erfolg.
Das erste Prinzip lautet: Steigern
Bei der Ausdauer bedeutet das vor allem das Steigern
des Umfanges, d.h. der Dauer. Man trainiert z.B. in einem ausgewählten Bereich
und steigert den Gesamt Trainingsumfang von Woche zu Woche etwas. Das Steigern
der Intensität kommt erst an zweiter Stelle, ist jedoch ebenfalls wichtig.
Das zweite Prinzip lautet: Superkompensation
Superkompensation bedeutet das richtige Verhältnis
zwischen Belastung und Erholung. Ist die Belastung sehr tief, wie. beim
Regenerationstraining, kann entsprechend öfters, z.B. täglich trainiert werden.
Bei höherer Intensität wie bei GA2 müssen die Erholungszeiten entsprechend
länger gewählt werden.
Das dritte Prinzip lautet: S.A.I.D.
Je nach Ziel trainiert man in den entsprechenden
Bereichen. Da sich unser Körper jedoch nach einiger Zeit an jede Trainingsart
gewöhnt, müssen die Bereiche zwingend gewechselt werden. Das kann so aussehen,
dass man einige Wochen in der Regeneration trainiert, dann im Bereich GA1 und
schliesslich noch im Bereich GA2.
Eine andere Variante wäre, die drei Bereiche während
einer Woche zu wechseln. Das heisst z.B.:
50% Regeneration / 40% GA1 / 10% GA2
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